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Was passiert, wenn ein gesunder Mann Viagra nimmt?

Einige der am häufigsten verschriebenen Medikamente gehören zu einer Medikamentenfamilie namens PDE-5-Hemmer. Sie sind als Viagra, Cialis und Levitra bekannt. Diese Medikamente dürfen nur von Männern eingenommen werden, die unter erektiler Dysfunktion leiden. Seit der Markteinführung von Viagra 1998 in den USA und kurz darauf in der EU sind die Diagnosen von erektiler Dysfunktion stark angestiegen.

Potenzmittel ohne Potenzprobleme

Zu den Risikofaktoren für Potenzprobleme gehören höheres Alter, Fettleibigkeit, Diabetes, Herzkrankheiten und Bluthochdruck. Problematisch kann es sein, wenn Männer, die keine Probleme haben, diese Medikamente einnehmen.

Oft erleben es die Ärzte, dass junge Männer ohne Risikofaktoren für erektile Dysfunktion nach diesen Medikamenten fragen. Diese Gruppe von Männern verwendet diese Medikamente nicht, um eine Erektion zu bekommen, sondern um eine längere Erektion zu bekommen.

Foto: © Mari Lezhava on Unsplash

Zwölf Jahre nach der Markteinführung von Viagra gab es eine Studie, die 46 Artikel zum Missbrauch von PDE-5-Hemmern auswertete. Sie wurde in der Zeitschrift Current Drug Abuse Reviews veröffentlicht. Als häufiger Grund für den Missbrauch wurde der leichte Zugang zu solchen Medikamenten genannt. Dabei dienen oft unseriöse Anbieter aus nichtwestlichen Ländern als Quellen. Seriöse Online-Apotheken verlangen immer ein gültiges Rezept, das sich auch über Online-Arztservices bekommen lässt.

Illegale Quellen und Wechselwirkungen

Ein großes Problem bei der Beschaffung aus illegalen Quellen besteht darin, dass diese Medikamente gefälscht, verunreinigt, abgelaufen oder unsicher in der Anwendung sein können.

Obwohl PDE-5-Hemmer sehr sicher und gut getestet sind, gibt es doch Risiken, über die alle Männer, die sie einnehmen, Bescheid wissen müssen. Wer die möglichen Nebenwirkungen nicht kennt, kann seine Gesundheit gefährden. Ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Problemen entsteht bei Männern, die Präparate wie Viagra einnehmen und außerdem

  • Medikamente gegen Brustschmerzen (Nitrate) einnehmen
  • eine koronare Herzkrankheit haben
  • unter einer kongestiven Herzinsuffizienz leiden
  • einen niedrigen Blutdruck haben
  • mehrere Medikamente gegen einen zu hohen Blutdruck einnehmen

Psychologische Abhängigkeit oder wichtige Unterstützung

Eine Gefahr, über die Männer Bescheid wissen müssen, wenn sie Viagra oder einen anderen PDE-5-Hemmer nehmen, obwohl sie das streng genommen gar nicht müssten, ist eine psychologische Abhängigkeit von solchen Medikamenten. Rein körperlich führen sie zu keinen Gewöhnungseffekten. Wenn aber gesunde Männer diese Medikamente für längere und stärkere Erektionen einnehmen, kann es sein, dass sie in Zukunft eine erektile Dysfunktion entwickeln, wenn sie gerade keine Pillen haben. Manche dieser Männer treten sogar eine Flucht nach vorne an und besorgen sich aggressivere Behandlungen wie Injektionen.

Es ist schwer zu sagen, wie viele Männer PDE-5-Hemmer nehmen, obwohl es eigentlich keinen medizinischen Grund dafür gibt. Studien sind hier schwer durchzuführen, weil sie auf Selbstauskünften beruhen. Wer solche Medikamente nehmen will, schafft es auch, sie zu bekommen, wenn er beim Arzt Fragen zur erektilen Dysfunktion richtig beantwortet. Schließlich sind die Symptome von erektiler Dysfunktion allgemein bekannt.

Hilfreich kann es jedoch sein, wenn Männer, die unter Ängsten oder Stress leiden und unsicher sind, solche Medikamente als Unterstützung nehmen, um sich keine Sorgen machen zu müssen, ob es mit der Erektion klappt.

Potenzmittel richtig einsetzen

Jeder, der Viagra kauft, sollte ein gültiges, von einem Arzt ausgestelltes Rezept haben und abklären, ob es ein Risiko für Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gibt. Dazu gehört vielleicht eine ausführliche Untersuchung, um festzustellen, ob andere medizinische Probleme vorliegen.

Damit vermeidet man unangenehme Nebenwirkungen. Bei der Einnahme einer hohen Dosis eines Potenzmittels kann es zum Beispiel zum sogenannten Priapismus kommen, einer Dauererektion, die länger als zwei Stunden lang anhält und sehr schmerzhaft ist.

Viagra und die anderen PDE-5-Hemmer sind tolle Medikamente, wenn die richtigen Männer sie auf die richtige Weise einsetzen. Sie führen bei etwa 75 % der Männer mit Potenzproblemen zu einer Erektion und sind sehr sicher, wenn man sie richtig anwendet.

Beitragsfoto: © Randy Kinne on Unsplash

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