Ich sitze in einem Aktenarchiv,
dort stinkt es gar schlimm, ein einziger Mief.
Es nützt das ganze Lüften mir kaum.
Ich krieg Kopfweh vom Geruch im Raum.

Die Akten, sie stehen in Regalen bis an die Decke,
da komm ich gar nicht hin wenn ich mich strecke.
Sie stehen da, kaum einer fasst sie jemals an.
Doch eine Frau kommt dann und wann.

Geht an die Ordner dann vereinzelt dran und nichtig,
legt ein, zwei Zettel ab und meint es wäre wichtig.
Ich geh dann raus und lass sie werken.
Wie blöd ich’s finde, soll sie gar nicht merken.

Ich wunder mich warum das wohl so ist,
die digitale Welt wird hier vermisst.
Alle reden von Digitalisierung am Arbeitsplatz,
aber hier bleibt das Papier der große Schatz.

Und draußen rattern und lärmen die Maschinen,
die frische Luft muss man sich ernsthaft verdienen.
Schnell das Fenster auf, ich atme tief mal ein und aus,
und denke mir, kann ich wohl bald nach Haus.

Bin gespannt, wie lange werde ich hier sitzen,
zwischen all dem Papier und Gestank muss ich sehr schwitzen.
Sie versprachen, die staubigen Akten woanders zu horten.
Aber ganz ehrlich, ich trau nicht diesen Worten.

Es ist ihnen ganz gleich, wie es mir ergeht,
das ist der Wind, da weißt du, woher er weht.
Mal sehen, wie lange ich es ertragen kann,
bis ich erkranke an dem Mief, und dann?

Christine Spranger, 28.6.2018

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